Brutto und Netto in Deutschland – wohin der Unterschied geht
Der erste Schreck für neue Beschäftigte in Deutschland kommt beim Vergleich der Zahl im Vertrag mit der Zahl auf dem Konto. Die erste heißt Brutto, die zweite Netto, und der Unterschied ist weder Fehler noch Ungerechtigkeit – er ist das, was vom Entgelt einbehalten und für Sie abgeführt wurde.
Diese Seite erklärt, wohin dieser Unterschied geht und warum zwei Kolleginnen mit gleichem Bruttolohn unterschiedlich viel netto erhalten.
Was vom Bruttolohn abgezogen wird
- Lohnsteuer – die Steuer auf den Arbeitslohn
- Solidaritätszuschlag – wird nicht auf alle Einkommen erhoben
- Kirchensteuer – nur bei Mitgliedschaft in einer erhebenden Religionsgemeinschaft
- Rentenversicherung – die gesetzliche Altersvorsorge
- Krankenversicherung – die gesetzliche Krankenversicherung
- Pflegeversicherung – die Pflegeabsicherung
- Arbeitslosenversicherung – die Absicherung gegen Arbeitslosigkeit
Warum zwei Kollegen mit gleichem Lohn Unterschiedliches erhalten
Weil der Abzug nicht allein vom Lohn abhängt. Die Steuerklasse wirkt ein, und sie richtet sich nach den persönlichen Verhältnissen: ledig, verheiratet, alleinerziehend oder mit mehreren Beschäftigungen. Ebenso wirken die Zahl der Kinder, die Kirchenmitgliedschaft, die Art der Krankenversicherung und zuweilen das Bundesland. Zwei Beschäftigte mit derselben Zahl im Vertrag können deshalb spürbar unterschiedlich netto erhalten – ein Fehler ist das für sich genommen nicht.
Der amtliche Rechner – und was er nicht leistet
Das Bundesministerium der Finanzen stellt einen amtlichen Steuerrechner bereit, der Lohn- und Einkommensteuer nach dem Gesetz berechnet. Beachten Sie jedoch eine wichtige Einschränkung, die das Ministerium selbst nennt: Es ist kein Brutto-Netto-Rechner – das Nettoentgelt einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge berechnet er nicht, weil das außerhalb seines Zuständigkeitsbereichs liegt. Wer die Steuer allein wissen will, hat hier die verlässlichste Quelle; wer das volle Netto braucht, benötigt einen Rechner, der Steuer und Beiträge zusammenführt.
Wie Sie Ihre Lohnabrechnung lesen
- Suchen Sie zuerst die Zeile Bruttoentgelt – sie muss dem Vertrag entsprechen
- Dann den Block der Steuerabzüge, danach den Block der Sozialversicherungsbeiträge
- Dann die Zeile Auszahlungsbetrag beziehungsweise Netto
- Prüfen Sie die ausgewiesene Steuerklasse; ein Fehler dort gehört zu den häufigsten Ursachen zu hoher Abzüge
- Bewahren Sie alle Abrechnungen samt der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung auf
Und warum sich die Mühe lohnt
Weil ein Teil des über das Jahr Einbehaltenen mit der jährlichen Steuererklärung zurückkommen kann – besonders bei abzugsfähigen Aufwendungen: Fahrtkosten zur Arbeit, Fortbildungskosten und weitere Werbungskosten. Diese Tür öffnet nicht, wer seine Abrechnung nie liest.
Das offizielle Formular und die zuständige Stelle
Die amtliche Quelle für die Steuerberechnung:
Häufige Fehler, die den Vorgang verzögern
- Vertragszahl und Kontozahl vergleichen und daraus einen Fehler folgern
- Die Steuerklasse nach Heirat, Geburt oder Jobwechsel nie prüfen
- Lohnabrechnungen wegwerfen – sie belegen, was für Sie abgeführt wurde
- Annehmen, der amtliche Steuerrechner liefere das Netto – das tut er nicht
- Die jährliche Steuererklärung übergehen in der Annahme, sie nütze Angestellten nicht
Häufige Fragen
Was bedeuten Brutto und Netto?
Brutto ist das Entgelt vor jedem Abzug, Netto das, was nach Steuern und Beiträgen auf dem Konto ankommt.
Kann ich meine Steuerklasse ändern?
Ein Wechsel ist in den gesetzlich vorgesehenen Fällen möglich, insbesondere bei Heirat oder einer Änderung der Verhältnisse. Zuständig ist das Finanzamt.
Warum wird mir Kirchensteuer abgezogen?
Weil Sie als Mitglied einer erhebenden Religionsgemeinschaft geführt werden. Ist die Eintragung falsch, sind Finanzamt und Melderegister die richtigen Stellen.
Ist eine Steuererklärung Pflicht?
In manchen Fällen Pflicht, in anderen freiwillig – je nach Ihrer Lage. Beratung bieten ein Lohnsteuerhilfeverein oder eine Steuerberatung.
Ist der Mindestlohn brutto oder netto?
Brutto. Der gesetzliche Mindestlohn ist ein Bruttostundenlohn; die Abzüge kommen danach.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Effektivlohn?
Das sind zwei verschiedene Maße, nicht zwei Seiten derselben Zahl. Brutto und Netto beschreiben, was vor und was nach den Abzügen steht. Der Effektivlohn ist ein volkswirtschaftlicher Begriff für den Lohn, der im Betrieb tatsächlich gezahlt wird — im Unterschied zum Tariflohn, der im Tarifvertrag festgeschrieben ist. Der Abstand zwischen beiden heißt Lohndrift. Der Effektivlohn ist dabei in der Regel eine Brutto-Größe.
Ist das Arbeitsentgelt brutto oder netto?
Arbeitsentgelt meint in aller Regel das Bruttoentgelt. Wenn eine Stelle das Nettoentgelt braucht, steht das ausdrücklich im Formular.
Ist das Haushaltseinkommen brutto oder netto?
Das hängt von der Leistung und der zuständigen Stelle ab. Manche Anträge fragen nach dem Brutto, andere nach dem Netto. Verlassen Sie sich nicht auf eine Faustregel — im Formular steht immer, welche Zahl gemeint ist.
Was ist der Unterschied zwischen Gesamtbrutto und Steuerbrutto?
Das Gesamtbrutto ist die Summe aller Lohnbestandteile: Grundlohn, Zuschläge, Sachbezüge und vermögenswirksame Leistungen. Das Steuerbrutto ist nur der steuerpflichtige Teil davon; steuerfreie Zuschläge und Freibeträge zählen nicht hinein. Daneben steht das SV-Brutto, auf das die Sozialabgaben erhoben werden — es folgt eigenen Regeln und ist deshalb häufig eine dritte Zahl auf derselben Abrechnung.
Ist der Nettopreis mit oder ohne Mehrwertsteuer?
Ohne. Bei Preisen ist Netto der Betrag ohne Mehrwertsteuer, Brutto der Betrag mit. Beim Lohn bedeuten dieselben Wörter etwas anderes: dort ist Brutto der Betrag vor den Abzügen.
Hinweis: Steuersätze, Grenzen und Beitragssätze ändern sich jährlich und werden von den amtlichen Stellen gesetzt. Dies erklärt das Prinzip und berechnet nicht Ihren Fall; eine Steuerberatung ist es nicht.
Das Video ansehen
Das Video finden Sie auf dem Kanal OK+ bei YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=NSYfNhv7bD8
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